Politischer Wahlkampf verdrängt ungarländische Nationalitäten aus den Medien Der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hält das Ergebnis der Registration für akzeptabel

07. Oktober 2014 - 12:44 - Quelle: - 0 kommentier
Laut Mitteilung des Nationalen Wahlbüros haben sich rund 41.000 Wahlbürgerinnen und Wahlbürger in das ungarndeutsche Wählerverzeichnis aufnehmen lassen. Sie sind diejenigen, die am 12. Oktober die Kandidaten bzw. die Listen der deutschen Nationalitätenselbstverwaltungen wählen können. Der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hält dieses Ergebnis für akzeptabel – trotz der Tatsache, dass diese Zahl vor vier Jahren um zehn Prozent höher lag.

„Wir sind stolz auf die vielen tausend ungarndeutschen Landsleute, die sich die Mühe nehmen und tatenlustig zur Weitervererbung der Traditionen unserer Nationalität beitragen“ – beginnt Otto Heinek. „Sie sind diejenigen, mit denen wir zählen können und die der Garant dafür sind, dass die jahrelange Arbeit, die wir seit dem Ausbau des Nationalitätenselbstverwaltungssystems begonnen haben, fortgesetzt werden kann. Im nächsten fünfjährigen Wahlzyklus wird man mit neuen Ideen, mit noch klareren Zielsetzungen und mit einer umfassenden, landesweiten Strategie arbeiten müssen. Wir wissen auch, dass es viele Menschen gibt, die das Anliegen der Ungarndeutschen für wichtig halten, aber trotzdem nicht registriert haben. Dies hat meines Erachtens drei Hauptgründe: Erst einmal, dass die Mitte Oktober stattfindende landesweite Wahl innerhalb eines halben Jahres bereits die dritte sein wird. Die Menschen sind des permanenten Wahlkampfs müde geworden. Andererseits ist es eine bedauerliche Tatsache, dass viele Ungarndeutsche im Ausland arbeiten. Von ihnen haben sich viele nicht registrieren lassen, weil sie wegen der Wahlen nicht nach Hause fahren. Schlussendlich betrachte ich es als ein Problem, dass in den Medien ausschließlich die Vertreter der Parteien zu Wort kommen, und der ganze Wahlkampf darauf reduziert wurde, wer in Budapest der Oberbürgermeister sein wird. Die Nationalitäten kommen praktisch überhaupt nicht zu Wort.“

Um dem entgegenzuwirken wurden im Kreise der Ungarndeutschen mehrere Ideen geboren, die in der gegebenen Ortschaft als Grundlagen für interessante Kampagnen dienten. Im Branauer Dorf Schomberg entschieden sich die deutschen Kandidaten für eine außergewöhnliche Art und Weise des Plakatierens: an ihren Aushängen unterbrachten sie neben den Namen der Kandidaten und den kurz formulierten Wahlbotschaften alte schwäbische Weisheiten. „Ein Beispiel: ‚Im Glück nicht jubeln, im Leid nicht klagen, das Unvermeidliche mit Geduld ertragen‘. Diese sind solche treffende Gedanken, die unsere Großmütter einst auf ihre Wandschoner gestickt haben“ – erzählt Katharina Berek, Vorsitzende und gleichzeitig Kandidatin der örtlichen deutschen Selbstverwaltung. „Diese haben wir gesammelt und an unsere Plakate so angebracht, dass man sie nach Belieben abreißen und mit nach Hause nehmen kann. Wir haben daran geglaubt, dass um die Schomberger die Zeit für einige Minuten anhält, wenn sie vor unseren Plakaten stehen bleiben und diese meist religiöse Gedanken beinhaltenden, zu Herzen gehenden Sätze lesen. Ich habe zum Beispiel gesehen und gehört, als drei ältere Frauen diese Wandschonerinschriften gelesen haben. Die eine hat einen Zettel für sich abgerissen, um diesen mit nach Hause zu nehmen. Eine andere sagte zu ihr, dass auch sie gerade dieses Zitat für sich gewählt hätte, weil genau derselbe Satz einst in ihrem Zuhause am Wandschoner stand. Mit dieser Art des Plakatierens ist es uns gelungen, zwei Ziele auf einmal zu erreichen: wir konnten die Aufmerksamkeit der Leute auf uns und auf das von uns vertretene Anliegen lenken, während wir ihnen einige angenehmen Minuten bereiten konnten.“

Am 12. Oktober kann man in 406 Ortschaften eine deutsche Nationalitätenselbstverwaltung wählen. In 12 Komitaten und in der Hauptstadt wird es regionale Wahlen geben. Zur Wahl der Nationalitätenselbstverwaltungen kommt es am Tag der Kommunalwahlen. Die Nationalitätenwahllokale werden in einer jeden Ortschaft anderswo untergebracht sein als die zur Kommunalwahl dienenden Wahllokale. Das heißt, dass derjenige, der sich registrieren ließ, sich auf zwei Plätze begeben muss: einmal dorthin, wo er seine Stimme für den Bürgermeister- und die Abgeordnetenkandidaten abgibt, und einmal dorthin, wo er für die Kandidaten, Listen der Nationalitäten votiert. Wie bei den vorangehenden Wahlen, erwartet auch diesmal eine Landesliste – die von ÉMNÖSZ, dem Verband der Deutschen Selbstverwaltungen in Nord-Ungarn gestellte Einheitsliste - die unterstützenden Wählerstimmen. Der an der ersten Stelle der Liste stehende Otto Heinek ermuntert und bittet alle registrierten ungarndeutschen Wahlbürger darum, sich zur Stimmabgabe zu begeben, weil es wichtig ist, dass die deutschen Nationalitätenselbstverwaltungen ihre interessenvertretende und identitätserhaltende Tätigkeit auch in der Zukunft mit starker Legitimität ausüben können.

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