„Süßes Jink“ - Tolnauer Deutsche bauten ihre Heimatstadt aus Lebkuchen auf

01. Dezember 2016 - 10:49 - Quelle: - 0 kommentier
Drei Kirchen, ein Kulturhaus, zahlreiche Wohnhäuser und Keller – eine Kleinstadt, eigentlich wie viele andere auch, gäbe es da nicht einen maßgeblichen Unterschied: das „Süße Jink“ ist essbar. Aus viel Mehl, Honig und Zuckerguss, und mit noch mehr Hingabe und Zusammenarbeit ist die Lebkuchenstadt gebaut. Die in der Installation liebevoll dargestellten Szenen erzählen über die Achtung und Pflege der gemeinsamen Identität und der Traditionen.
Ausstellungseröffnung

Um die 50 Lebkuchenhäuser hat man Ende November auf einem Gestell aus Holz in der evangelischen Kirche der Tolnauer Kleinstadt Jink aufgebaut. Drei etwa 80 cm hohe Kirchen - die wahrheitsgetreuen Nachbildungen der evangelischen, katholischen und reformierten Kirchen -, ein Marktplatz in der Stadtmitte, rundum niedliche Häuser, in denen hie und da Szenen aus alten Zeiten dargestellt sind. Die beschneiten Gassen verraten: Weihnachten naht.

„Unsere Lebkuchenstadt heißt ‚Süßes Jink‘, wir haben es mit Jung und Alt zusammen angefertigt. So bereiteten wir uns besonders besinnlich auf die Adventszeit vor“, erzählte Valeria Kemler, Vorsitzende des örtlichen deutschen Nationalitätenvereins und Initiatorin der Ausstellung. „Es ist bereits das fünfte Mal, dass wir unser Jink aus Lebkuchen aufbauen. Unser Anliegen war nach wie vor, etwas zu initiieren, in das wir viele Leute als aktive Mitgestalter einbinden können. Dank vieler Spender kamen die Zutaten zusammen, diese verteilten wir unter den Beteiligten der Aktion. Die Frauen buken zu Hause Mauern, Dächer und Zäune, beim gemeinsamen Verzieren halfen auch emsige Kinderhände mit.“

Eine Neuigkeit war diesmal, dass auch Nachbarsortschaften in die Aktion miteinbezogen wurden: auch die von ihnen angefertigten Ortswappen aus Lebkuchen bekamen einen Platz in der Sammlung.

Und wenn das noch nicht genug an Attraktionen wäre, gibt es noch einen weiteren Teil der besonderen weihnachtlichen Kirchendekoration: 130, von bejahrten Frauen der Stadt gesammelte Kopf- und Halstücher sind ausgestellt. Und als einzige ihrer Art ist auch eine sehr alte, von einer örtlichen Familie sorgfältig bewahrte Tischdecke zu besichtigen, die eine ganz spannende Geschichte hat: 1948 haben sie ihre damals vertriebenen ungarndeutschen Besitzer nach Deutschland mitgenommen, doch in den 80-er Jahren wurde das kostbare Stück in seine alte Heimat in der Tolnau zurückgebracht.

Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen macht auf beispielhafte Aktionen wie diese gerne aufmerksam. „Eine rührende Initiative“, meint Vorsitzender Otto Heinek. „Diese Ausstellung verkörpert vieles aus der Identität unserer Volksgruppe: die Liebe zum Wohnort, zur Heimatregion, den Zusammenhalt, die Verbundenheit mit den christlichen Werten und das Festhalten an den Traditionen.“

Die am 27. November feierlich eröffnete Ausstellung ist bis zum 11. Dezember zwischen 14-17 Uhr in der evangelischen Kirche von Jink zu besichtigen.

Weitere Details: http://www.nne.hu/node/112

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