„Ich sah mich in einem Kreuzworträtsel und als potentielle Abiturthese wieder” - Projekttag zur Entwicklung des Unterrichts der zeitgenössischen ungarndeutschen Literatur

06. April 2017 - 13:11 - Quelle: - 0 kommentier
Der Projekttag am 23. März am Valeria-Koch-Schulzentrum in Fünfkirchen schien für Lehrer, Schüler und Autoren aus unterschiedlichen Gründen von Nutzen zu sein. In der Bildungseinrichtung ist die ungarndeutsche Literatur Abiturkanon: Schülerinnen und Schüler befassen sich in Deutschstunden unter anderem auch mit Werken zeitgenössischer Autoren. Eine ganz besondere Gelegenheit bot sich für die Jugendlichen dadurch, dass sie sich im Rahmen des Projekttages mit sieben Dichtern bzw. Schriftstellern persönlich unterhalten durften. Aber auch Lehrer, die die Werke dieser Autoren an der Schule unterrichten, trafen sich mit den Schreibern, um gemeinsam Ideen zur Vermittlung der ungarndeutschen Literatur zu sammeln. Als Ergebnis des Projekttages entstanden neue Unterrichtsmaterialien, aber es wurden auch neue persönliche Kontakte geknüpft, es liefen spannende Diskussionen. Von all dem bekamen nicht nur Schüler und Lehrer neue Anregungen, sondern auch die Autoren selbst.

Ziel des Projekttages war die Entwicklung des Unterrichts der ungarndeutschen Literatur, aber auch deren Popularisierung; Gastgeber des Programms war das Valeria-Koch-Bildungszentrum, das Flaggschiff des ungarndeutschen Bildungswesens in Fünfkirchen; Ideenspender war die Deutsche Selbstverwaltung Fünfkirchen, vor allem aber Adrienn Szigriszt-Brambauer. Auf die Idee eines solchen Projekttages hätten sie eigentlich die Autoren selbst gebracht, meinte die Abgeordnete der deutschen Selbstverwaltung der südungarischen Stadt, und gleichzeitig Deutschlehrerin des Schulzentrums. Manche von ihnen hätten neulich auch öffentlich darüber berichtet, dass sie einst als Gymnasiasten von persönlichen Treffen mit ihren Vorgängern zum Schreiben inspiriert worden seien: „Ab diesem Jahr ändern sich einigermaßen die Abituranforderungen, Schülerinnen und Schüler werden mehr unbekannten und modernen literarischen Texten begegnen müssen“, so die Ideenspender. „Wie sie an diese heranzugehen haben, muss ihnen beigebracht werden. Als mir die Idee dieses Projekttages in den Sinn kam, ging ich von mir selber aus: ich wünschte mir zur Erleichterung der Vorbereitung auf die Stunden oft fertige Ideen, die aus der Schublade geholt werden können. Ich war mir sicher, dass es auch den Kollegen ähnlich ergeht, so nahm ich mir vor, ein Treffen zu organisieren, an dem Pädagogen, Jugendliche und Autoren gemeinsam über einen interessanten und effektiven Literaturunterricht nachdenken.“

Der gerade 25 Jahre alte Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler plante für den 23. März die mit Lesung verbundene Finissage seiner Ausstellung in Fünfkirchen, und das kam gerade gelegen. Die zur Vorlesung geladenen Dichter und Schriftsteller – namentlich Angela Korb, Christina Arnold, Csilla Susi Szabó, Josef Michaelis, Koloman Brenner, Alfred Manz und Robert Becker – bereiteten sich gerne auch auf die Schulveranstaltung vor. In deren ersten Teil trafen sie sich mit Siebt- bis Zwölftklässlern und stellten sich denen im Rahmen von interaktiven Gesprächen und klassischen Lesungen vor. Der zweite Teil des Projekttages wurde durch eine theoretische Vorlesung von András F. Balogh, Dozenten der Eötvös-Loránd-Universität zu Budapest eingeleitet. Anschließend kam es zur Ausarbeitung von kreativen, spielerischen Unterrichtsmaterialien zum effektiven Unterricht der ungarndeutschen Literatur, und zwar in Kleingruppen.

„Alle AG-s befassten sich mit je einem Autoren. Die Besonderheit dieser Arbeitsgruppen bestand in ihrer Zusammenstellung, denn auch der Verfasser, um dessen Schaffen es gerade ging, saß jeweils in der Gruppe“, erzählte Adrienn Szigriszt-Brambauer. „Da somit die Kollegen die Autoren direkt über ihre Intentionen, Gefühle und Gedanken, die hinter dem einen oder anderen Werk stehen, befragen konnten, sind wir der Meinung, sehr ideenreiche, kreative, vielfältige, und vor allem besonders authentische Unterrichtsmaterialien zustande gebracht zu haben. Der eine Dichter, den wir zu Gast hatten, meinte, es sei ein komisches Gefühl gewesen, sich in einem Kreuzworträtsel oder als potentielle Abiturthese wiederzusehen.“

Dem ganztägigen Programm wohnte auch Frau Dr. Ingeborg Szöllösi, Südostreferentin des Deutschen Kulturforums östliches Europa bei, die ihre Lobesworte bei der Eröffnungsrede der Finissage an das Publikum richtete sowie die VUdAK Gesamtausstellung auch nach Berlin einlud.

Dank dem Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts wurde den Lehrern die Veranstaltung mit 15 Krediten als Fortbildung berechnet. Das neu entstandene Inventar an Unterrichtsideen wird schon bald in vereinheitlichte Form gebracht, und wird danach allen Lehrerinnen und Lehrern, die am Projekt beteiligt waren – nämlich Pädagogen aus dem Valeria-Koch-Schulzentrum und dem Klara-Leőwey-Gymnasium in Fünfkirchen –, zugänglich gemacht.

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