„Mein Einsatz für die deutsche Nationalität war für mich immer Teil meines Alltags” - Interview mit Emil Koch, dem Vorsitzenden des Jugendausschusses der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen

04. Dezember 2018 - 11:50 - Quelle: - 0 kommentier
Sie definiert klare Zielsetzungen, beinhaltet konkrete Handlungspläne bis 2020, aber allem voran gilt sie als Richtschnur bei allen belangvollen Maßnahmen: das ist die Strategie der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Bei ihrer Durchführung spielen die Ausschüsse der LdU eine elementare Rolle. In einer Serie stellen wir die Vorsitzenden und die Arbeit dieser Gremien vor. Die Reihe setzen wir mit Emil Koch, dem Vorsitzenden des Jugendausschusses fort.

▪ Über Gründung und wesentliche Aufgaben des Ausschusses

„2014 kam es in der Geschichte der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen zum ersten Mal vor, dass ein Jugendausschuss gegründet worden ist. Dies ist einerseits dem zu verdanken, dass derzeit relativ viele junge Leute einen Platz in der Vollversammlung bekommen haben; andererseits dem, dass die Existenz und die Arbeit einer solchen Körperschaft mit den strategischen Zielsetzungen der LdU durchaus im Einklang stehen. Die Jugendlichen stehen nämlich für die Kontinuität, der Einsatz für unsere Nationalität wird von ihnen fortgesetzt. Wir haben noch vor der Gründung des Ausschusses viel darüber diskutiert, welche wohl die Arbeitsfelder sein werden, derer wir uns annehmen müssen, und wo wir unseren diesbezüglichen Beitrag leisten werden können. Die Frage war jedoch gar nicht so einfach zu beantworten: teils darum, weil es vorhin noch nie ein ähnliches Gremium gegeben hat, und zum anderen Teil darum, weil junge Leute in allen Bereichen, die in der Strategie der LdU erörtert werden – von der Kultur bis zur Bildung – präsent sind. Schließlich haben wir als eine unserer primären Aufgaben die Förderung der Kooperation der drei Landesorganisationen der ungarndeutschen Jugend definiert, deshalb gibt es in unserem Ausschuss über drei Vollversammlungsmitglieder hinaus auch ein weiteres Mitglied, das die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU) vertritt – und anfangs gab es auch jemanden vom Landesrat Ungarndeutscher Chöre, Kapellen und Tanzgruppen – , und das ebenfalls Stimmrecht hat. Der Jugendausschuss wurde weiterhin auch damit beauftragt, die Auswertung jener Bewerbungen vorzubereiten, die auch die Jugendlichen betreffen – so eine ist beispielsweise der Valeria-Koch-Preis, über dessen Verleihung wir mit dem Bildungsausschuss zusammen entscheiden. Ein weiterer wichtiger Bereich unserer Tätigkeit ist natürlich die Vertretung der Interessen der ungarndeutschen Jugendlichen, und zum Schluss möchte ich auch betonen, dass wir uns auch kritisch äußern, wenn wir mit bestimmten Sachen nicht einverstanden sind.”

▪ Über aktuelle Projekte

„Unser wichtigstes Anliegen ist momentan zu erreichen, dass 2019 in möglichst vielen Ortschaften erkannt wird, dass es notwendig ist, auch jungen Leuten in den örtlichen deutschen Selbstverwaltungen einen Platz zu geben; dasselbe gilt selbstverständlich auch für die Landesselbstverwaltung. Wenn sie nämlich nicht schnellstens in diese Arbeit mit eingebunden werden, wird der Nachwuchs in zwei-drei Jahrzehnten alle, es wird nur wenige geben, die diese Aufgaben übernehmen könnten. Darum ist die Weitergabe der Kenntnisse und der Erfahrungen äußerst wichtig.”

▪ Über den Beitrag des Ausschusses zur Verwirklichung der LdU-Strategie

„Den Beitrag zur Verwirklichung der bis 2020 gültigen Strategie der Landesselbstverwaltung betrachten wir als unsere allerwichtigste Aufgabe. Die diesbezüglichen, uns betreffenden Vorstellungen formulierten wir mit mehreren Jugendlichen zusammen an unseren bereits traditionellen Jugendkonferenzen. An diesen jährlich ausgetragenen Tagungen nehmen Gott sei Dank immer wieder zahlreiche junge Menschen Teil, wir versuchen Themen zu behandeln, die auch in der LdU-Strategie verankert sind. Wie bereits erwähnt, wollen wir beispielsweise erreichen, dass viele Jugendliche in den örtlichen Nationalitätenselbstverwaltungen, aber auch in Kulturgruppen, oder sogar auf Landesebene zu Entscheidungsträgern werden. Darüber hinaus haben wir auch eine Datenbank zustande gebracht, die MittelschulschülerInnen hilft, ihren obligatorischen Freiwilligendienst bei ungarndeutschen Organisationen zu absolvieren. Mit der Zeit ist auch die Zusammenarbeit zwischen den Landesorganisationen der Jugendlichen viel effektiver geworden, das heißt, auch diesbezüglich können wir einen großen Fortschritt verzeichnen. Ich bin also der Meinung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unsere Ziele zu erreichen, und dass die frische Einstellung des Jugendausschusses unbedingt dabei helfen kann, die Strategie der LdU zu erfüllen.”

▪ Über Emil Koch

„Geboren wurde ich in Ohfala, dort besuchte ich den deutschen Nationalitätenkindergarten, und anschließend die zweisprachige Grundschule in Nadasch. Nach dem Abitur am Valeria-Koch-Gymnasium studierte ich an der Wirtschaftshochschule Budapest, und zwar Marketing im Rahmen des Fachs Außenhandel. Mein Einsatz für die deutsche Nationalität war für mich immer ein Teil meines Alltags, darum empfand ich es als nichts Besonderes, dass ich mich tagtäglich meiner deutschen Mundart bediene. Aufgefallen ist mir dies erst, als ich 2002 die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher kennen gelernt habe. Erst in dieser tollen Gemeinschaft ist es mir bewusst geworden, wie besonders und schön das ist. Drei Jahre lang war ich Vizepräsident, und dann vier Jahre hindurch Präsident der GJU. 2006 bin ich zuerst Abgeordneter der örtlichen deutschen Nationalitätenselbstverwaltung geworden, und dann 2010 auch Mitglied der LdU-Vollversammlung. Dreimal habe ich es organisieren können, dass eine ungarndeutsche Mannschaft an der Fußball-Europameisterschaft der Nationalitäten teilnehmen konnte. Durch dort geknüpfte Kontakte durften wir auch in den Vatikan fahren, den Papst treffen und gegen die Mannschaft der päpstlichen Schweizergarde spielen. Ich habe eine Tochter, der ich meinen Dialekt beigebracht habe, sie besucht einen Kindergarten des Valeria-Koch-Bildungszentrums. Derzeit arbeite ich bei einer multinationalen Firma als Kommunikationsfachmann.“

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