„Wir müssen unser Schicksal in die eigene Hand nehmen: das ist DIE Chance für uns“ - Interview mit Josef Manz, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Medien der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen

12. Dezember 2018 - 13:18 - Quelle: - 0 kommentier
Sie definiert klare Zielsetzungen, beinhaltet konkrete Handlungspläne bis 2020, aber allem voran gilt sie als Richtschnur bei allen belangvollen Maßnahmen: das ist die Strategie der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Bei ihrer Durchführung spielen die Ausschüsse der LdU eine elementare Rolle. In einer Serie stellen wir die Vorsitzenden und die Arbeit dieser Gremien vor. Die Reihe setzen wir mit Josef Manz, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Medien fort.

▪ Über wesentliche Aufgaben und aktuelle Projekte des Ausschusses

„Unser Ausschuss betreut die Kultur unserer Gemeinschaft – den Bereich, an dem wohl die meisten Ungarndeutschen beteiligt und interessiert sind. Vorlagen bezüglich kultureller Angelegenheiten, die der Vollversammlung vorgelegt werden, werden zuerst im Kulturausschuss behandelt, diskutiert, ergänzt und angenommen. Das ist zum einen – und eigentlich in erster Linie – die Aufgabe unseres Ausschusses. Der Kulturausschuss trägt für zwei Kulturinstitutionen Verantwortung: zum einen für das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und seine Bibliothek (Zentrum), zum anderen für die Deutsche Bühne Ungarn (DBU) in Szekszárd.

Das Zentrum trägt abwechslungsreiche Kulturveranstaltungen mit sehr großem Erfolg aus, und bei der Gestaltung dieser Programme kooperiert es über die LdU und unser Gremium hinaus auch mit diversen Organisationen der Ungarndeutschen – beispielsweise mit dem Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler, dem Landesrat Ungarndeutscher Chöre, Kapellen und Tanzgruppen, der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher. Unser Prinzip ist, dass wir vor allem solche ungarndeutsche Initiativen fördern, die einen landesweiten Charakter, eine breite Ausstrahlung haben.

Wir diskutieren üblicherweise auch über den aktuellen Spielplan der DBU, worüber wir uns dann auch mit der Intendantin austauschen. Wir vertreten in dem Fall die Meinung des Publikums, die schließlich mit den Ansichten der Künstler in Einklang gebracht werden muss. Wir sind nämlich der festen Überzeugung, dass die Bühne nur so gut funktionieren kann. Unseres Erachtens muss übrigens der ungarndeutsche Charakter mehr Gewicht bekommen.

Wir unterstützen auch verschiedene Initiativen der Laientheaterbewegung, denn auch dies trägt wesentlich zur Identitätsstärkung bei. Darüber hinaus fördern wir auch den Landesrezitationswettbewerb. Die besten Mundarterzähler werden in der Regel zur Landesgala eingeladen.

Wir schreiben jedes Jahr das BMI-Projekt ‚Ausstattung von Kulturgruppen‘ aus. Über die eingereichten Anträge wird ausführlich diskutiert.

Auch der Jahresbericht des Fach- und Informationszentrum für ungarndeutsche Heimatmuseen wird von uns angenommen – auch das ist ein äußerst interessantes Thema, denn ungarndeutsche Heimatmuseen, Sammlungen, Baudenkmäler und Friedhöfe sind wichtige Kulturträger, die in das kulturelle Leben aktiv mit eingebunden werden müssen. Moderne museumpädagogische Angebote halten wir zum Beispiel für besonders unterstützungswert.

Jährlich mehrfach beschäftigen wir uns mit den Programmen und Projekten des Landesrates, und unser Ausschuss unterstützt auch finanziell die landesweiten Programme des Landesrates.

Ein anderes gravierendes Thema ist jedes Jahr die LdU-Landesgala im Januar. Wir sind diejenigen, die die mitwirkenden Kulturgruppen und Solisten auswählen; dabei arbeiten wir eng mit dem Landesrat zusammen. Unsere Empfehlung legen wir schließlich der Vollversammlung vor, die letztendlich die diesbezügliche Entscheidung trifft. Es ist übrigens ein ständiges Diskussionsthema, was wir als akzeptables Niveau betrachten. Bevorzugt wird das authentisch Ungarndeutsche - sowohl was Tanz, als auch was Musik und Gesang betrifft. Nebenbei bemerkt: diese Tendenz begrüßen wir bei all den ungarndeutschen Veranstaltungen landesweit.

Wir kümmern uns weiterhin auch über die Lage der ungarndeutschen Medien: über die der ‚Neuen Zeitung“, des deutschsprachigen Rundfunks in Fünfkirchen, sowie von ‚Unser Bildschirm‘. Die ungünstige Lage der öffentlich-rechtlichen ungarndeutschen Medien stellt uns vor große Herausforderungen, die Schwierigkeit dabei bereitet aber vor allem die Tatsache, dass sie nicht zur LdU gehören.Eine unserer strategischen Zielsetzungen ist, den deutschen Sprachgebrauch in Messen und bei Gottesdiensten zu fördern – diesbezüglich erhoffen wir schon bald gewisse Fortschritte.”

▪ Über ständige MitarbeiterInnen des Ausschusses

„Unser Ausschuss hat außer mir als Vorsitzenden noch vier Mitglieder: Dr. Katalin Gajdos-Frank, die Leiterin des Wuderscher Heimatmuseums, den ungarndeutschen Tanzpädagogen Helmut Heil, den Chefredakteur der ‚Neuen Zeitung‘, Johann Schuth, sowie László Szax, den Vorsitzenden der Sektion ‚Kirchenmusik‘ des Landesrates. Sie alle sind Mitglieder der Vollversammlung. Zu den Sitzungen werden in der Regel auch Zentrum-Direktorin Monika Ambach, Gabriella Jaszmann, für ungarndeutsche Heimatmuseen verantwortliche Expertin, sowie László Kreisz, der Vorsitzende des Landesrates eingeladen. Wir werden von Angelika Pfiszterer, der Kulturreferentin der Geschäftsstelle unterstützt. Auch weitere, in der Geschäftsstelle arbeitende Fachleute werden regelmäßig zu den Besprechungen eingeladen, und wenn nötig, führen wir unsere Sitzungen mit dem Bildungs- oder Jugendausschuss der LdU gemeinsam durch.“

▪ Über den Beitrag des Ausschusses zur Verwirklichung der LdU-Strategie

„Wir wollen doch, dass unsere Nachkommen wie selbstverständlich mit der deutschen Kultur und Sprache umgehen, und dass sie sich zum Ungarndeutschtum bekennen! Fast ein Jahrzehnt dauerte es, bis sich die LdU-Strategie herauskristallisierte. Jetzt ist sie da: zweisprachig, gedruckt und online allen zugänglich. Die Ziele, die darin verankert sind, sind einfache und klar, und der Beitrag, den unser Ausschuss dazu leistet, ist klipp und klar.

Ich bin der Ansicht, dass die LdU und all die Ausschussmitglieder die Veranstaltungen der ungarndeutschen Inseln besuchen müssten, um unsere Landsleute auf die Schwerpunkte und Schlüsselbereiche der Strategie aufmerksam zu machen. Wichtig ist natürlich, dass es auch die Basis wollen muss, konsequente neue, mit der Strategie im Einklang stehende Wege zu gehen und sich selbst zu besiegen! Die LdU muss noch besser zu einer integrierenden Kraft werden.

Die Ungarndeutschen waren schon immer auf sich selbst gestellt, und daran wird sich wohl auch in der Zukunft nichts ändern. Wir sind also gezwungen, unser Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, und dies kann natürlich auch als unsere Chance betrachtet werden.“

▪ Über Josef Manz

„Ich wurde 1956 in einer donauschwäbischen Flüchtlingsfamilie aus der Süd-Batschka geboren, und bin in Ungarn aufgewachsen und somit zu einem Ungarndeutschen geworden. Wir sprachen in der Familie ausschließlich die Mundart und das Hochdeutsche, und das tun wir bis zum heutigen Tag. Meine Frau ist Hochschuldozentin, wir haben drei erwachsene Kinder und eine Enkelin. Seit 1980 nehme ich auf örtlicher, regionaler und Landesebene am öffentlichen Leben der Ungarndeutschen teil. Von der zweiten Legislaturperiode abgesehen bin ich von Anfang an Mitglied der Vollversammlung. Ich bin gelernter Uhrmacher von Beruf, seit 1975 selbständiger Kleinunternehmer, und habe ein eigenes Geschäft.“

LdU - Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
H-1026 Budapest Júlia u. 9. - +36 1 212 91 51 - info@ldu.hu