Klausurtagung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen im Bakonygebirge

25. September 2019 - 10:03 - Quelle: - 0 kommentier
Zukunftsweisende Diskussionen mit den bevorstehenden Wahlen der Nationalitätenselbstverwaltungen im Zusammenhang, Sitzung der Vollversammlung der LdU, Besichtigung neuer Investitionen, ein Hauch von Kultur, sowie die Evaluation der Strategie der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen – ein mannigfaches Programm erwartete die Teilnehmenden der zwischen dem 20-22. September in Dewrenten und Umgebung ausgetragenen Klausurtagung. Einmal im Jahr verbringen traditionell Vollversammlungsmitglieder, Mitarbeiter der Geschäftsstelle, der Regionalbüros und der Institutionen der LdU, sowie weitere eingeladene Gäste ein ganzes Wochenende zusammen, um strategische Fragen bezüglich der ungarndeutschen Gemeinschaft in aller Ruhe zu behandeln.
Emmerich Ritter, Ibolya Hock-Englender, Eva Waldmann-Baudentisztl

Auch die deutsche Nationalität befinde sich im Wahlfieber – stellte sich durch eine einschlägige Diskussion nach der offiziellen Eröffnung der Tagung heraus. Am 13. Oktober werden nämlich auch die Körperschaften der örtlichen, Komitats- bzw. hauptstädtischen ungarndeutschen Selbstverwaltungen, sowie die Körperschaft der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gewählt. Wahlberechtigte Staatsbürger, die bereits in das ungarndeutsche Wählerregister aufgenommen wurden oder ihre Aufnahme spätestens bis zum 27. September beantragen, können bei den örtlichen Wahlen für 3-5 Kandidaten stimmen. Für die Regionalwahlen gibt es eine regionale Liste, für die Landeswahlen eine Landesliste, für die die wahlberechtigten ungarndeutschen Staatsbürger ihre Stimmen abgeben können. Die 47 Mitglieder der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen werden anhand der einheitlichen Landesliste gewählt. Die Wahlen der Nationalitätenselbstverwaltungen erfolgen mit den Kommunalwahlen auf Orts- und Regionalebene gleichzeitig. Wahlberechtigte können all ihre Stimmen in demselben Wahllokal gleichzeitig abgeben. Die Wahlzettel der Nationalitätenwahlen sind grün. Für eine gültige Stimmabgabe müssen diese grünen Wahlzettel auf jeden Fall in den dazugehörenden grünen Umschlag gelegt und sorgfältig abgeschlossen werden, sonst ist die Stimme ungültig – hieß es bei der diesbezüglichen Besprechung.

Besuch im Iglauer Park in Waschludt

Die letzte Sitzung der aktuellen LdU-Vollversammlung fand im Iglauer Park in Waschludt, in dem teils von der Landesselbstverwaltung getragenen, modernisierten, mit nagelneuen Holzhäusern versehenen Jugendlager statt. LdU-Chefin Ibolya Hock-Englender, sowie Parlamentsabgeordneter Emmerich Ritter berichteten dem höchsten Gremium der LdU über ihre Tätigkeit im vergangenen Vierteljahr. Darüber hinaus nahm die Vollversammlung auch den Bericht über die Wirtschaftsführung der LdU im ersten Halbjahr an. Laut der Darlegung sei eine längerfristige Erweiterung der Aufgabenkreise der Selbstverwaltung zu erwarten, weil das sich bewährte Stipendienprogramm für Nationalitätenpädagogen erfreulicherweise fortgesetzt wird. Der Bericht behandelt auch die geplante zweite Phase der Investition am Valeria-Koch-Bildungszentrum: Die dazu nötige staatliche Zuwendung stehe bereits zur Verfügung, das heißt, der alte Mensaflügel der Schule in Fünfkirchen könne schon bald renoviert und mit neuen Funktionen versehen werden.

Mit all seinen Höhen und Tiefen sei 2018 ein ereignisreiches Jahr gewesen – stand im Jahresbericht der LdU-Geschäftsstelle. Vom Verlust des langjährigen LdU-Chefs, Otto Heinek über die erfolgreich absolvierten Parlamentswahlen bis hin zum Stipendienprogramm für Nationalitätenkindergärtnerinnen und der Betreuung von Investitionen hatten die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und der Regionalbüros alle Hände voll zu tun.

Auch die von der Landesselbstverwaltung getragenen Kultur- und Bildungsinstitutionen informierten die Vollversammlung über ihre Tätigkeiten im Vorjahr. Die Deutsche Bühne Ungarn in Seksard berichtete über 6 Premieren, 170 Vorstellungen, 60 Gastspiele, 14.000 Zuschauer, sowie über einen auf Jugendliche gerichteten Fokus. Die Aktivität des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und seiner Bibliothek habe sich auf diverse Art und Weise manifestiert: In einer starken Internetpräsenz mit dem Ziel, über Initiativen der Ungarndeutschen zu berichten, in landesweit erfolgreichen traditionspflegenden, Werte bewahrenden und die in Ungarn lebende deutsche Gemeinschaft aktivierenden Aktionen, sowie in Programmen im Haus der Ungarndeutschen in Budapest. Die teils oder gänzlich von der LdU getragenen Bildungseinrichtungen – das Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen, das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Werischwar, das Deutsche Nationalitätengymnasium in Budapest, sowie das Ungarndeutsche Bildungszentrum in Baja und die Audi Hungaria Schule in Raab – seien bestrebt, das auch bislang überaus hohe Niveau durch mannigfache innovative schulische und außerschulische Möglichkeiten im Bereich der Sprach-, Kultur-, Fertigkeits- und Identitätsförderung der Schülerinnen und Schüler weiter zu steigern. Am Valeria-Koch-Bildungszentrum habe man zum Beispiel ein neues Methodencurriculum für die Grundschule und das Gymnasium entwickelt, und zwar mit dem Ziel, durch vielfältige Unterrichtsmethoden Fertigkeiten zu vermitteln, die die Kinder und Jugendlichen im späteren Berufsleben gut anwenden können. An derselben Schule wird neuerdings besonders begabten Schülerinnen und Schülern in naturwissenschaftlichen Fächern ein Leistungskurs angeboten, um ihre Studienchancen weiter zu verbessern.

Besichtigung des ungarndeutschen Lehrpfads in Band

Die Teilnehmenden der Klausurtagung besichtigten den ungarndeutschen Lehrpfad in Band. László Schindler, in Band lebender Vorsitzender des Bildungsausschusses der LdU und Mitgestalter des thematischen Weges führte die Gruppe. Die zweisprachigen Lehrtafeln thematisieren den sakralen Raum, Tugenden, große Söhne des Dorfes und einen besonderen Adventsbrauch, das Christkindlspiel.

Nach der Besichtigung des Lehrpfades begab sich die Gruppe nach Ganna, wo Bürgermeister Ottó Nagy durch die Kirche und das Esterházy-Mausoleum führte.

Die Klausurtagung klang mit der Evaluation der bis 2020 gültigen Strategie der Landesselbstverwaltung aus. Das Dokument diente seit seiner Erarbeitung im Jahre 2015 als Leitfaden für die Arbeit in den Bereichen Politik, Kultur, Bildung, Jugend und Kommunikation. Die Teilnehmer der Klausurtagung bewerteten in fünf Arbeitsgruppen, welche konkreten Schritte im Interesse einer aktiven und identitätsbewussten deutschen Gemeinschaft in den diversen Bereichen bereits unternommen wurden, und welche Aufgaben noch demnächst angegangen werden müssen.

Die Klausurtagung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen wurde durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat unterstützt.

Sitzung der Vollversammlung
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